David Ellefson Interview (Foto: Chapman Baehler)

Inmitten von Lineup-Wechseln führt er das 15. Megadeth-Album an – mit Nostalgie und geänderten Studio-Methoden. Das David Ellefson Interview!

Megadeth war gerade dabei, Material für das Nachfolge-Album zu „Supercollider“ vorzubereiten. Da machten Neuigkeiten die Runde, dass Drummer Shawn Drover und Gitarrist Chris Broderick die Band verlassen würden. Anstatt diese plötzlichen Verluste zu betrauern – von denen es in 32 Jahren Megadeth schon so einige gab – begaben sich Gründungsmitglieder David Ellefson und Dave Mustaine zurück ins Jahr 1983.

David Ellefson Interview – Good old Times

In diesem Sommer zog der 18-jährige Ellefson von Jackson, Minnesota nach Los Angeles. Dort traf er Mustaine, der von einer Band namens Metallica gefeuert wurde. Ellefson stromerte durch LA, nur mit einer Tasche mit Klamotten und persönlichen Dingen, einem B.C. Rich Mockingbird Bass und einem kleinen Roland Cube-Amp, und schrieb währenddessen letztendlich die ersten zwei Megadeth-Alben.

Der Lifestyle (und auch die Bankkonten) der beiden haben sich seitdem ziemlich geändert. Aber das Duo dürfte sich definitiv an diese Zeit erinnert fühlen, als sie beide alleine in einem Studio saßen und Riffs austauschten. Deswegen ließen sie dieses Gefühl auch in das neue Album einfließen und wurde sogar die treibende Kraft dahinter.

Man entschied sich dazu, getrennte Wege mit Johnny K, dem Produzenten der beiden vorherigen Alben, zu gehen. Ellefson und Mustaine gingen dann nach Nashville, wo sie mit Toby Wright in den Latitude South Studios arbeiteten. Und während die beiden neuen Mitglieder (Chris Adler von Lamb of God an den Drums, Kiko Loureiro von Angra an der Gitarre) bekanntgegeben wurden, fing Ellefson mit dem Aufnahmeprozess an: er nahm seinen Bass auf, ohne Gitarren, Drums oder Gesang – nur sein Bass und ein Metronom.

David Ellefson Interview – „Dystopia“

Dieser unübliche Weg machte sich bezahlt: er fand seinen (bis dato) Lieblings-Basssound und legte die Messlatte für die Performance aller Mitglieder auf dem Album sehr hoch. Das neue Album „Dystopia“ zeigt eine wiederbelebte Band unter Handlungsdruck. Die Thrash-Riffs sind größer, der Sound breiter, und Ellefson’s Bass-Spiel kombiniert den Hunger eines 18-jährigen, der alles dafür gibt, um Musik spielen zu können, und die Weisheit eines 51-jährigen Veterans, der weiß, was er tut.

Auf dem Album hört man sein ganzes Können: von den song-stoppenden Licks in „Fatal Illusion“ bis hin zu der geschickten Pick-Arbeit in „Lying in State“ oder den Arena-Rock-Riffs in „Poisonous Shadows“. „Dystopia“ ist wirklich eins der interessantesten Bass-Projekte seiner Karriere, und er ging dafür in seine Vergangenheit, um den Sound seiner Zukunft zu finden.

David Ellefson Interview:“Dystopia“ von Megadeth:

Wie fühlte es sich an, dieses Album als Songwriter-Duett statt als ganze Band anzugehen?

Es ist interessant, weil Dave und ich immer die beiden „Last Men Standing“ sind. Nach Lineup- und Managementwechseln und Umrüstungen sind wir am Ende immer noch dabei. Aber wir fühlten, dass all diese Wechsel nötig waren, weil wir an einem Punkt sind, an dem wir wissen, dass wir sehr hart arbeiten, und wir wissen auch, was wir wollen.

Nachdem wir praktisch ein Jahr Zeit hatten, um das Album vorzubereiten, mussten wir nicht auf eine Deadline hinarbeiten, weil wir dann auf Tour gehen würden oder so, also war es ein sehr offener Prozess. Und ich glaube, dass man das wirklich anhand der Qualität des Materials und der Aufnahmen merkt.

Wie hat sich der Lineup-Wechsel auf den Aufnahmeprozess ausgewirkt?

Der hatte große Auswirkungen; der Bass war das allererste, was für dieses Album aufgenommen wurde. Da bin ich auch sehr stolz drauf. Es unterstreicht die Rolle des Basses in Megadeth. Es sagt auch einiges aus über die Beziehung zwischen Dave und mir als die beiden Bandgründer. Sein Rhythmus-Gitarrenstil ist der Grundstein des Megadeth-Sounds, und der Bass geht da Hand in Hand. Deswegen haben wir auch diese Konstanz über all die Alben hinweg.

David Ellefson Interview – Nur ein Klick, glasklarer Sound

Wie war es denn, nur zu einem Klick aufzunehmen?

Sehr natürlich, und mittlerweile bevorzuge ich es sogar fast. Dave und ich saßen zusammen und wir gingen durch alles Stück für Stück, Song für Song durch. Indem wir zuerst den Bass aufnahmen, hatten wir das erste Fundament, und der Rest baute dann darauf auf. Obwohl der Bass in Megadeth als Fundament dient, hat er auch eine melodiöse Rolle. Das wurde alles unterstrichen, indem wir auf diese Art und Weise aufnahmen.

Hatte denn deine isolierten Bass-Aufnahmen Auswirkungen auf deinen Sound?

Vom Sound her gesehen war das toll. Bassisten, die das hier lesen, werden verstehen, dass man am Computer einen tollen Sound erstellen kann, und wenn die Band kommt, verschwindet dein Sound im Mix. Aber so wie wir das gemacht haben, konnten wir wirklich einen Sound erstellen, der neben den Drums stand, und konnten die Rhythmus-Gitarre darüber packen.

Wir haben einen tollen, kristallklaren Sound. Die Soundqualität der ersten Aufnahme wurde sozusagen der Maßstab für den Sound und auch für die Performance des Rests des Albums.

David Ellefson Interview Teil 2: Der Bass-Sound, wie Megadeth „Thrash“ wurde und vieles mehr!