BOSS VO-1 Vocoder Testbericht

Obwohl Roland schon eine ganze Reihe von Vocal-Prozessoren auf den Markt gebracht hat, war noch nie ein portabler Vocoder in Form eines Pedals dabei – bis jetzt. Der Boss VO-1 Test verrät, ob das gelungen ist!

Untergebracht im gewohnten BOSS Pedalboard-Design bietet der Boss VO-1 vier Effekte, die für den Gebrauch mit E-Gitarre und Bass optimiert sind: zwei Vocoder, eine Talkbox und einen synthetischen Chor.

BOSS VO-1 Test: Anschlüsse

BOSS VO-1 Vocoder Anschlüsse
BOSS VO-1 mit angeschlossenen Kabeln

Da die Stimme des Users das Kontrollsignal erzeugt, verfügt der BOSS VO-1 über einen XLR-Anschluss für ein dynamisches Mikrofon. Dabei ist eine Phantomspeisung für ein Kondensator-Mikrofon nicht vorgesehen. Für eine optimale Anpassung an das verwendete Mikrofon steht der High/Low-Schalter zur Verfügung.

Zum Test schloss ich ein Shure SM58 an und hatte bei der Low-Einstellung ausreichend Dynamikreserven zur Verfügung.  Insgesamt hat man damit eine überraschend gute Kontrolle über den Effekt.

Die Vocoder-Modelle wurden „Vintage“ und „Advanced“ getauft. Ersteres produziert einen warmen Sound der späten 60er mit einer reduzierten Anzahl an Frequenzen, während der zweite komplexer und mit einer besseren phonetischen Klarheit daherkommt.

BOSS VO-1 Test: Talkbox ohne Schlauch

Die Talkbox-Funktion arbeitet sehr musikalisch und funktioniert wunderbar mit Gitarre oder Bass. Auch muss man zur Erzeugung des Effekts keinen Schlauch in den Mund nehmen wie beim Original üblich.

BOSS VO-1 Vocoder Test Draufsicht
BOSS VO-1 mit umfangreichen Regelmöglichkeiten

Das Angebot an Regelmöglichkeiten umfasst den Output-Level-Regler und die Möglichkeit, das Verhältnis Dry/Wet zu mischen. Mit dem Tone-Regler wird der Sound heller oder dunkler, während man mit Color quasi das „Geschlecht“ des Chores bestimmt.

Ist man im Talkback-Modus, dann mischt man mit Color ein wenig Verzerrung hinzu. Mit der richtigen Einstellung kann man sogar ein wenig Feedback von der Gitarre übertragen, abhängig von der Ausgangsleistung, von der Intensität der Stimme und vom gespielten Ton auf der Gitarre.

Ändert man seine Gesangsstimme, indem man z.B. in Falsetto übergeht, beeinflusst man in allen drei Modi das Ergebnis.

BOSS VO-1 Test: noch mehr Sounds

Will man ein Chor-Ensemble erzeugen, dann muss man gar nicht erst das Mikrofon benutzten. Um sich den Sound vorstellen zu können, denke man sich verschiedene Wahs, die allesamt eine andere Frequenz hervorheben. Dies ergibt ein Synthi-„Ah“. Mit dem Color-Knopf variiert man das Ergebnis von einem tiefen hin zu einem mehr nasalen Sound. Um den besten Chorsound zu emulieren, arbeite ich mit dem Volume-Pedal und einem Hauch Hall oder Delay.

Um das trockene Signal mit weiteren Effekten zu versehen, verfügt der BOSS VO-1 über Send- und Return-Anschlüsse. Abhängig von der Stellung des Blend-Reglers hört man so lange das unbearbeitete oder das über externe Effekte veränderte Signal, bis man ins Mikrofon spricht/singt.

Man muss übrigens aufpassen, dass man das Direktsignal nicht so laut aufdreht, dass es das Mikrofon triggert und dadurch schon den Effekt auslöst.

BOSS VO-1 Test: Fazit

BOSS VO-1 Vocoder: Man hört nicht mehr auf!
BOSS VO-1: Klingt geil!

Die „Mitbewerber“ des BOSS VO-1 sind die Vocal-Prozessoren von Electro-Harmonix, die sogar etwas preiswerter sind und noch ein paar Features mehr haben (Pitch Correction, Reverb, Phantomspeisung).

Dafür hat das Boss VO-1 Inserts und ist deutlich kompakter. Außerdem, und das ist das Wichtigste, er klingt geil. Und wenn man einmal damit anfängt, dann kann man kaum wieder aufhören. Ich habe euch gewarnt! Preis: 249,–

BOSS VO-1 Vocoder Demo-Video

© Electronic Musician, courtesy of NewBay Media, 2016