Cort Sunset NY Gitarre

Öfter mal was Neues – das haben sich auch die Herren bei Cort gedacht und präsentieren eine optisch auffällige Gitarre im Rahmen der Sunset-Serie. Unser Cort Sunset NY Test zeigt, ob diese gelungen ist.

Beim Anblick der Cort Synset NY fällt mir ein, dass die ersten Gitarren, die ich spielte, Modelle mit Nylonsaiten waren. Der Grund dafür? Meine Schule hatte solche. Unser Band-Direktor gab Gitarrenkurse und hatte so immer welche da. Ich wurde von ihnen beinahe magnetisch angezogen. Aber wie viele Anfänger wollte ich direkt „das Richtige“, also ging ich über zu Akustikgitarren mit Stahlsaiten und, natürlich, E-Gitarren.

Es gibt aber doch immer noch Situationen, in der der einzigartige Nylonsound angebracht ist. Man kann natürlich immer eine Nylonsaiten-Gitarre da haben, wenn man etwas aufnehmen möchte, aber will man sie live mit einer Band nutzen, dann bekommt man doch Probleme. Dazu kommt noch der große Unterschied in Sachen Feeling, wenn man spontan von der E-Gitarre auf die Nylongitarre umsteigt.

Aber zum Glück gibt es ja die Firma Cort. Die angesprochenen Herausforderungen geht Cort mit der neuen Sunset Nylectric (oder NY) an. Wie der Name schon verrät, ist die Gitarre Teil der Sunset-Serie.

Cort Sunset NY Test: Features im Überblick

First things first: Die Cort Sunset NY ist eine “Hybridgitarre” made in Indonesien mit einem Korpus aus gekammertem Mahagoni, einer Decke aus Fichte und Palisander-Griffbrett. Sie kombiniert Elemente der klassischen Konzertgitarre mit denen einer E-Gitarre: So hat man beispielsweise die von einer E-Gitarre bekannten Gurtstraps, wohingegen die Nylonsaiten wie bei einer klassischen Gitarre am unteren Ende verknotet sind.

Cort Sunset NY Test: die Regler sitzen da, wo sie sonst bei einer E-Gitarer auch sitzen.
Cort Sunset NY Test: die Regler sitzen da, wo sie sonst bei einer E-Gitarer auch sitzen.

Unter dem Sattel hat die Cort Sunset NY ein Fishman Sonicore Pickup, der an ein Fishman VTB Preamp-System angeschlossen ist. Das gibt einen sehr natürlichen Sound, egal ob man das Signal an einen Amp oder direkt an ein Mischpult schickt. Die Regler für das System findet man ganz E-Gitarren-typisch auf der unteren Hälfte des Korpus. Schließt man ein Klinkenkabel an der Seite der Cort Sunset NY an, werden die Elektroniken auch angeschaltet. Man sollte also nicht vergessen, das Kabel herauszuziehen, wenn man nicht spielt, um Strom zu sparen.

Eine tolle Sache ist die Feedback-Festigkeit. Besonders bei lauten Live-Gigs wird das eine angenehme Überraschung sein, um unangenehme Überraschungen zu verhindern.

Cort Sunset NY Test: Optik und Hals

Cort Sunset NY: Rückseite.
Cort Sunset NY: Rückseite.

Die Cort Sunset NY gibt es in drei Finishes: Rot, schwarz und natur (siehe Bilder). Die Rückseite des Korpus ist dabei in einem dunklen Mahagoni gehalten. Dieses ist glänzend ausgeführt, ebenso wie auch die Oberseite, und ist top verarbeitet – hier sind keine Fehler festzustellen.

Die Gitarre selbst wird natürlich von ihrer auffälligen Art bestimmt. Sie hat weder das Schallloch einer akustischen Gitarre noch die sichtbaren Pickups einer E-Gitarre. Ebenso gibt es keinen Pickguard. Das ergibt insgesamt einen minimalistisch anmutenden Look.

Der mit vier Schrauben befestigte Hals hat übrigens einen rötlichen und etwas dunkleren Farbton, der fast schon an einen Mix aus Palisander und Mahagoni erinnert. Das inlay-freie Griffbrett hat einen 12“-Radius, 22 Medium Nickel-Bünde und Marker am 5., 7., 9., 12. und 15. Bund. Die Mensurlänge beträgt 25,6“, und dank der angeschrägten Ausführung des Übergangs von Hals zu Korpus kommt man auch an die höchsten Bünde ohne Probleme heran.

Das Wide-C-Halsprofil hat eine relativ „platte“ Rückseite, ist für Konzertgitarren-Kenner aber sehr schlank und schnell zu spielen. Auch große und komplexe Akkorde sind relativ einfach zu erreichen. Am Ende des Halses findet sich eine schöne Kopfplatte mit Cort-Logo und Tunern mit offenen Mechaniken. Dabei muss man diese nicht so oft nutzen, wie es sonst bei Nylonsaiten der Fall ist – die Cort Sunset NY ist sehr stimmstabil für eine Nylonsaiten-Gitarre.

Minimalistisch - und uns gefällt's

Cort Sunset NY im Test: Spielgefühl

Die Cort Sunset NY fühlt sich wie eine E-Gitarre an und klingt nach einer klassischen Konzertgitarre. Die Lautstärke und der Sound des Korpus sind ideal für ein bisschen „unplugged“-Musik (oder -Übung), aber sie ist nicht unbedingt dafür gedacht, im Studio auf mikrofoniert zu werden. Das muss sie aber auch gar nicht, denn der Fishman-Preamp macht seinen Job wirklich wunderbar, sodass ein direktes Recording den Sound toll einfängt.

Die Breite des Griffbretts am Sattel beträgt rund 45mm. Das ist im Vergleich zu Steel String-Gitarren etwas breiter, im Vergleich zu klassischen Konzertgitarren jedoch circa 6mm enger. Für „Stahl-Erfahrene“ erleichtert das das Spielen doch erheblich. Gleichzeitig ist das immer noch genügend Breite für das Vibrieren der Nylonsaiten.

Cort Sunset NY Test: Sound

Uns hat der Sound sehr gut gefallen. Er ist bekannt und klassisch, hat aber dennoch etwas Eigenständiges. Das ist schwierig zu erklären, deswegen verweisen wir einfach auf das Video von Cort selbst.

Cort Sunset NY Test: Der Sound der Gitarre eingefangen

Cort Sunset NY Test: Fazit

Auf der Suche nach Nylon-Sound auf der Bühne? Oder ist der Hals einer klassischen Gitarre einfach zu breit, um normal darauf spielen zu können? Dann ist die Cort Sunset NY definitiv einen Blick wert. Ich hatte schon einige Zeit lang keine Nylongitarre mehr in der Hand und völlig vergessen, wie viel Spaß eine solche Gitarre macht und wie ausdrucksstark sie ist.

Das engere Griffbrett mag zwar einigen Traditionalisten nicht gefallen. Aber dadurch wird die Cort Sunset NY tatsächlich schneller, sie reagiert besser und macht einfach mehr Spaß. Gleichzeitig ist es auch nicht so, als ob Cort einfach nur einen normalen Stahlsaitenhals genommen hätten. Nylonsaiten benötigen etwas mehr Platz und eine höhere Spannung aufgrund der Vibrationen, und das ist eben auch kein Problem dank der klugen Maße des Griffbretts.

Die Cort Sunset NY ist also definitiv eine „Hybrid“-Gitarre, die wichtige Elemente einer klassischen Nylongitarre und einer E-Gitarre verbindet. Gitarristen, die nicht an klassische Gitarren gewohnt sind, können sich so schneller und leichter neu orientieren. Gleichzeitig funktioniert die Cort Sunset NY auch super in einem Bandkontext. Cort hat hier eine tolle, von den Features her gut ausbalancierte Gitarre zu einem sehr fairen Preis (ca. 500€,-) gebaut. Viele Musiker aus vielen verschiedenen Genres werden sie sehr zu schätzen wissen.