Earthquaker Spatial Delivery im Test

Was kann ein Envelope-Filter eigentlich? Ziemlich viel! Im Earthquaker Devices Spatial Delivery Test klären wir, ob dieses kleine Pedal wirklich so erderschütternd ist.

Neben dem Chorus (der nur die Liste toppt, weil er für ein Jahrzehnt lang den Gitarrensound geprägt hat) ist ein Envelope-Filter wohl der mit am meisten verschmähteste Effekt in der Gitarrenwelt – und zwar zu Unrecht. Es ist allzu einfach (und anfangs auch befriedigend), den Effekt links liegen zu lassen – wohl auch, weil schlechtes Spielen schlecht klingende Filter-Sweeps hervorruft.

Ein solches Effektedal öffnet dem interessierten und weltoffenen Gitarristen aber auch eine Vielzahl an neuen und detaillierten Sounds und Tönen (sobald man den Standard-Funk-Reggae-Kram abgehakt hat). Earthquaker Devices lädt Gitarristen dazu ein, den kitschigen Standardkram sein zu lassen, und dafür gibt es das Earthquaker Devices Spatial Delivery Effektpedal. Angetrieben durch eine Batterie oder klassisch per Netzteil lädt das Pedal mit Up Sweep-, Down Sweep- und Sample & Hold-Modi zum Experimentieren ein.

Earthquaker Devices Spatial Delivery Test – Funktionsweise

Der Filtereffekt des Earthquaker Devices Spatial Delivery funktioniert mithilfe der drei oben genannten Modi. Der Up-Modus ist der am häufigsten gewählte Modus, wenn es um Gitarreneffekte geht, und er öffnet und schließt den Filter ähnliches eines Wah-Effekts – abhängig von der Spieldynamik.

Der Down-Modus des Pedals funktioniert ähnlich, aber praktisch umgedreht. So entstehen die typischen Pitch-„Vogelgezwitscher“-Sounds, die man eher von Keyboards und Synthesizern kennt. Sample & Hold schlussendlich samplet die Spannung des LFO (Low Frequency Oscillator) und hält es für eine einstellbare Dauer, bevor es zur nächsten, willkürlich ausgewählten Spannung übergeht. Das Resultat ist eine sehr rhythmische (wenn auch willkürliche) Synth-artige Filter Modulation.

Die Filter-Einstellung schickt den Filter schrittweise vom Low Pass über den Band Pass bis zum High Pass. Das ist wichtig zu erwähnen, weil die Up Sweep- und Down Sweep-Modi in entgegengesetzte Richtungen verlaufen (wie oben erwähnt) und man den Filter ebenfalls anpassen muss, wenn man neue Einstellungen ausprobiert. Mit dem Range-Regler stellt man die Empfindlichkeit der Hüllkurve ein und regelt so letztendlich, wie sehr das Pedal ansprechen soll: Zu wenig, und die Hüllkurve geht kaum auf. Hat man zu viel, gehen die Sweeps in den tiefen Frequenzen verloren.

Resonance stellt die „Massigkeit“ des Pedals ein: Von „gerade-so-hörbar“ bis zu „Filter-zerreißt-meinen-Sound“ ist alles machbar.

Hier hört ihr den Sound des Earthquaker Devices Spatial Delivery:

Earthquaker Devices Spatial Delivery Test – In der Praxis

Die Hüllkurve selbst ist sehr sauber und weich und hat sich im Test neben einem Maxon AF-9, Electro-Harmonix Q-Tron und Subdecay Prometheus sehr wohlgefühlt. Der Attack der Hüllkurve ist sehr beherzt, ohne dass der Peak zu früh kommt. Im Up Sweep bekam ich einen relativ traditionellen Wah-Effekt. Vintage-Effekte dieser Art fließen im Release-Teil eher aus, zusammen mit ein bisschen Decay. Der Earthquaker Devices Spatial Delivery dagegen setzt ein bestimmtes Ende, das perfekt mit dem Decay der Gitarre harmoniert.

Natürlich ist das Pedal auf Gitarren ausgelegt, aber im Test gab es auch mit einem Bass keine Probleme – der Low Pass machte keine Zicken.

Der Sample & Hold-Modus klingt nach irgendwelchen Bleeps und Blips (Nicht-Musiker würden denken, dass die Noten komplett willkürlich generiert wurden), ähnlich wie uralte Computer oder klassischer Science Fiction-Kram. Hierfür gibt es endlose Anwendungsmöglichkeiten; ein offensichtlicher wäre der „Frank-Zappa-ich-lass-es-über-mein-Solo-laufen-und-gucke-was-passiert“ oder dass der Filter letztendlich vorschreibt, wo die Noten hinfallen und man ihm „hinterher spielt“.

Earthquaker Devices Spatial Delivery Test – Vor oder nach Distortion?

Setzt man den Earthquaker Devices Spatial Delivery vor die Verzerrung, kann es am besten ins Spiel eingreifen und spricht da am besten an. Overdrive- und Distortion-Pedale nach dem Filter „normalisieren“ den Effekt etwas, sodass ein organischerer, klassischer Gitarrensound entsteht.

Setzt man das Pedal nach die Verzerrung, kommt ein großer Anteil Synthesizer-Sound in den Klang der Gitarre. So entsteht ein wunderschöner und extrem effektierter Sound. So opfert man aber auch die durch die Verzerrung zwischen Gitarre und Pedal-abgerundeten Dynamiken. Ich fand den Up Sweep vor Verzerrung am besten, beim Down Sweep funktioniert beides gut, und der Sample & Hold-Modus nach der Verzerrung, wo es das Signal wirklich „entführt“.

Earthquaker Devices Spatial Delivery Test – Aufpassen bei den Pickups!

Normale Single-Coils oder Humbucker funktionieren wunderbar. Etwas problematisch wird es nur bei aktiven Pickups mit starkem Output, denn diese prügeln ordentlich auf die Hüllkurve ein. Das ergibt weniger Details und andere Reaktionen.

Earthquaker Devices Spatial Delivery Test – Fazit

Der Earthquaker Devices Spatial Delivery ist nicht der einzige Effekt seiner Art, aber was das Preis /Leistungsverhältnis angeht, ist es sicherlich das beste. Anstatt nur einen einzigen Effekt oder Sound zu bewerben, bekommt man mit dem Earthquaker Devices Spatial Delivery Unmengen davon hin, ohne den eigenen Charakter zu verlieren.

Kriegt es den Mutron-Sound hin? Ja. Funkige, brüchige Sounds, preamp-tötende Extreme…das Spatial Delivery Pedal ist so sanft oder so rau, wie man möchte.

Aktueller Preis: ca. 229€