Earthquaker Devices Spires im Test

Ein Fuzz soll was? Richtig, dreckig klingen! Im Earthquaker Devices Spires Test prüfen wir, wieviel das schicke Pedal mit den vier Knöpfen kann.

In einer Fuzz-Welt, die Klone von Klonen von Klonen sind (immerhin sind das einfache Schaltungen), muss Earthquaker Devices etwas Besonders im Rosac Nu Fuzz gehört haben. Das wurde Ende der 60er von Ed Sanner entwickelt, nachdem er vorher das Mosrite FuzzRite entwickelte (und das in In-A-Gadda-Da-Vida von Iron Butterfly höchst erfolgreich eingesetzt wurde). Das einzig Neue war da, dass der Depth- für einen Tone-Control-Regler ausgetauscht wurde, womit Gitarristen mehr Fuzz-Sounds einstellen konnten.

Leider überdauerte das Rosac Nu Fuzz nicht lange, und ohne Zeichnungen des Schaltkreises trauten viele Liebhaber sich nicht, dieses teure Effektpedal auf Tour zu nehmen. Ein gewisser Jaime bei Earthquaker Devices hat ein genau solches Nu Fuzz zu Hause – und damit es der Nachwelt erhalten bleibt, hat er versucht, es nachzubauen. Aber damit nicht genug, denn der Dream Crusher ist wiederauferstanden (bei dem man die Germanium-Transistoren mit Silikon ausgetauscht hat), und er teilt sich seinen Lebensraum mit dem Nu Fuzz-Versuch von Earthquaker Devices. Herausgekommen ist das Earthquaker Devices Spires.

Earthquaker Devices Spires Test: Features

Das Spires Fuzz hat sowohl einen True-Bypass-Footswitch als auch einen Channel-Footswitch, mit dem man zwischen den beiden Schaltkreisen wählen kann. Die Kanäle sind Green und Red benannt – das Nu Fuzz ist „grün“, der Dream Crusher „rot“. Das Nu Fuzz bietet Volume- und Tone-Regler, der Dream Crusher (red) Volume und Fuzz. Angetrieben wird das Effektpedal entweder mit einer 9V Batterie oder einem normalen Netzteil.

Earthquaker Devices Spires Test: der rote Kanal

Der rote Kanal des Spires Fuzz nimmt sich des berühmt-berüchtigten Dallas-Arbiter Fuzzface an, hat aber Silikon-Transistoren. Die Distortion ist schön knackig und sticht schön durch, wobei auch die Sensibilität durchkommt. Schön!

Wenn man nur ein wenig Gain auf das Signal packt, hat das Effektpedal einen schön crunchigen Sound, besonders mit Pickups, die normalerweise etwas leiser sind. Höhere Gain-Settings werden vom Pedal auch gut angenommen: Hier hat man einen richtig schön rauen Sound mit schönen Höhen und einem stets definierten Sound. Wie auch bei anderen Fuzzface-Pedalen ist der Volume-Regler hier von zentraler Bedeutung. Bei vorsichtigem Aufdrehen hat man hier plötzlich den Sweetspot, der einen Class-A-artigen Crunch gibt, gerade wenn der Sound „bricht“.

Earthquaker Devices Spires Test: der grüne Kanal

Der grüne Kanal bietet klanglich einen schönen Kontrast. Sieht man bei diesem Effektpedal nur noch „grün“ statt rot, dann klingt das Earthquaker Devices Spires Fuzz nach einem Lo-Fi-gefilterten Fuzz mit einem Velcro-ähnlichen „reißenden“ Sound. Akkorde zischen und spritzen vor sich hin, und die Höhen werden etwas trüb, während die Mitten deutlich betont werden. Je nach Pickup und Lautstärke der Gitarre kann das Effektpedal Fuzz-Sounds von sterbenden Batterie-Hustern bis hin zu synthesizer-artigen Klängen produzieren.

Der grüne Kanal ist also der Richtige für einen Garage-Fuzz-Sound, und der Gain lässt sich schon fast als hypnotisch beschreiben.

Hier gibts das Spires in Action:

Earthquaker Devices Spires Test: Fazit

Das Earthquaker Devices Spires Fuzz ist nicht unbedingt die Option für einen violin-artigen Fuzz (obwohl der auch machbar ist) und auch nicht für einen leicht komprimierten Lead-Sound (solange man ihn nicht ganz dezent an einem großen Amp nutzt). Stattdessen ist er eine Vintage-Liebeserklärung für diejenigen, die bei der Bezeichnung „HiFi“ abwinken und darüber nur lachen können. Es ist ein kontrollierbares Monster/Effektpedal mit primitiven, vintage-artigen Sounds. Die Sounds klingen direkt so, wie man sie von Bands wie The White Stripes oder The Black Keys erwarten könnte – und dabei hat das Pedal trotzdem einen eigenen Vibe.