Rivera Sedona Lite 25 im Test, Foto: Rivera

Der neue Rivera Sedona Lite 25 ist eine interessante 2-in-1 Lösung für akustische und elektrische Gitarren. Jeder Gitarrist und Singer/Songwriter, der den „echten“ Röhrensound in einem kompakten, aber kraftvollen Verstärker haben will, sollte ihn sich genauer anschauen.

Rivera Sedona Lite 25: Die 1×10-Combo mit 25W Leistung erscheint rund 15 Jahre nach dem ersten Sedona, auf dem eine ganze Serie ähnlicher Amps folgte. Vor rund sieben Jahren kam der große Bruder auf den Markt, der Sedona Lite. Der uns vorliegende Amp ist das Resultat einer kleinen Wette von Paul Rivera Jr.

Rivera Sedona Lite 25 Amp im Test: Die Wette

„Doyle Dykes rief uns an und sagte: „Ich spiele akustische und E-Gitarre, und ich brauche einen Amp, mit dem ich alles machen kann““, erinnert sich Rivera. „Also bauten wir den weltweit ersten Akustik- und E-Gitarren-Amp mit Röhren. Ein Kanal war clean, der andere war für High-Gain gedacht. Den nächsten nannten wir dann Sedona Lite, weil beide Kanäle clean waren. Aber er hatte immer noch 55 Watt, war sehr laut und sehr schwer. Mein Vater fand immer, und dem stimmten wir alle zu, dass ein akustischer Amp mindestens 50 Watt brauchte, um genügend Headroom zu liefern.“

„Aus einer Laune heraus, und weil ich viel Headroom aus den 6V6-Röhren, die in der 25W Venus Deux-Combo verbauten waren, bekam, probierte ich diese in einem 1×10 Combo Amp mit einem Hochtöner. Das war erstmal nur für mich gedacht. Es klang viel größer, als ich es jemals für möglichen gehalten hätte! Doyle fand es auch gut, und er benutzte sofort die 25 Watt-Version, obwohl er in Sälen mit 2000 Plätzen spielt.“

Rivera Sedona Lite 25 Amp im Test: Features

Beide Kanäle des Rivera Sedona Lite 25 haben einen ähnlichen Sound. Kanal 1 jedoch hat geringeren Gain und führt die Sedona-Tradition eines symmetrischen/asymmetrischen Klinken-Inputs fort – übrigens ein Wunsch der Firma Taylor. Viele ihrer Modelle haben einen symmetrischen Output, wenn man also eins von diesen mit einem Stereo-Kabel nutzt, dann erreicht man mit Kanal 1 das volle Potential.

Rivera Sedona Lite 25 Anschlüsse und Regler
Rivera Sedona Lite 25 Bedienfeld

Anwendungsmöglichkeiten gibt’s im Überfluss. Ein Szenario ist, Kanal 1 akustisch anzufahren und dann Kanal 2 elektrisch. Nachdem wir das mit mehreren E-Gitarren gemacht haben, stellten wir fest, dass die 6V6-Röhren die natürlichen Sounds der Hölzer in den Mitten sehr gut wiedergeben.

Der „dreidimensionale“ Sound, den man Röhrenverstärkern immer zuschreibt, kam ebenfalls schön zur Geltung. Das Accutronics Reverb ist darüber hinaus noch ein sehr schönes Element, dass den Sound nochmals verfeinert – und er funktionierte auch wunderbar auf Vocals.

Rivera Sedona Lite 25 Amp im Test: der Sound

Fährt man den Rivera Sedona Lite 25 elektrisch an, erinnert er an einen Fender Deluxe Reverb. Allerdings „brach“ er nicht so schnell, wenn man ordentlich Gas gab. Das ist laut Rivera auch so gewollt.

Rivera Sedona Lite 25 Speaker, Foto: Rivera
Rivera Sedona Lite 25 Test: Eigens angefertigte Lautsprecher sind im Amp verbaut.

„Eminence bauen für uns eigens angefertigte Lautsprecher. Diese klingen groß und warm, ohne dass man sie sehr hart anfahren muss. Wenn man es macht, dann bricht der Sound auch nicht so schnell. Auch im Einsatz mit Pedalen klingen sie toll.“

„Der Hochtöner ist von einem alten EV-Modell inspiriert. Da momentan keine Firma einen Kalottenhochtöner mit einem entsprechend großen Magnet in Serie produziert, wurde dieser extra für uns gemacht. Alle anderen Firmen benutzen entweder Piezohochtöner oder behelfen sich auf andere Art und Weise.“

Wir steckten eine Taylor 514ce (mit Fishman Prefix-System) in Kanal 1 des Rivera Sedona Lite 25 und sendeten gleichzeitig ein Fishman Blackstack-Signal zu Kanal 2. Das ergab eine kraftvolle Kombination aus einem perkussiven Sound und dem Body der Gitarre.

Mittels eines Loopers lief der akustische Part immer weiter, damit ich noch etwas experimentieren konnte…

Mit einem Overdrive-Pedal (Low-Gain) in der zweiten Signalkette kam ein Sound zustande, der wunderbar aus akustischer Offenheit und körnigem Biss kombiniert war. Wenn man dann auf „Nur-Clean“ zurück wechselte, war das schon fast wieder eine Enttäuschung. Deswegen nahm ich mir eine Godin und packte sie in Kanal 2 – ein wunderschöner E-Gitarren Sound über dem akustischen Loop.

Klangbeispiel des Rivera Sedona Lite 25 von Rivera

Egal was man macht oder wie krass ein Overdrive in den Sound tritt – der Rivera Sedona Lite 25 klang immer sehr süß und nie „überfahren“.

Rivera Sedona Lite 25 Amp im Test: auch für laute Situationen geeignet

Rivera Sedona Lite 25 Tubes, Foto: Rivera
Rivera Sedona Lite 25 Test: die 6V6-Röhren

Hybridgitarrenspieler werden den Rivera Sedona Lite 25 alleine schon deswegen lieben, weil sie beide Signale in einem Amp mischen können. Ich konnte so erstmals alle Möglichkeiten einer alten Parker Fly ausnutzen, und mit den Piezo-Akustiksound und dem fetten Overdrive zusammen klang sie sehr schön und modern.

Wieso also nutzen nicht mehr Amp Hersteller ein solches Röhren-Design? „Vielleicht ist es eine Frage des Geldes“, schlägt Rivera vor. „Viele Firmen sind eher an Mini-PAs interessiert als an echt klingenden Gitarrenverstärkern.“

Der DI des Rivera Sedona Lite 25 klang auf einer PA absolute Oberklasse, und der Level Control macht das Einstellen sehr leicht, wenn der Rivera Sedona Lite 25 dann doch mal an seine Grenzen kommt (wenn er nicht laut genug ohne Feedback wird, wenn die Bühnenlautstärke leise bleiben muss, oder wenn man den schönen Sound einfach in seinen Monitoren haben möchte).

Rivera Sedona Lite 25 Amp im Test: Fazit

Komplett akustische oder komplett elektrische Spieler haben Millionen anderer Optionen. Aber sitzt man zwischen beiden Stühlen, dann könnte der Rivera Sedona Lite 25 das rettende Ufer bedeuten.

Man sollte ihn einfach mal antesten, denn jede kleine Einstellung macht einen großen Unterschied. Besonders die Pull-Notch-Middle-Regler (auch in Kombination mit den zwei Anti-Feedback-Reglern) machen viel vom Sound aus.
Alles in allem ist der Sedona Lite 25 eine einzigartige Lösung für alle Röhren-Enthusiasten, die sich einstöpseln – und eben auch „unplugged“ unterwegs sein wollen!

Der Preis liegt mit Euro 1800,- aber auch schon in den oberen Regionen.