Strymon DIG Test: Moderne und klassische Delays vereint

Im Strymon DIG Test klären wir, ob das hübsch pinke Pedal alle Fans von älteren digitalen Delays glücklich machen kann – und ob es auch ordentliche und moderne Sounds bietet.

“Adaptive Delta Modulation” (ADM) war ein von DeltaLab Research entwickelter Prozess in den 80er Jahren. Dieser wurde in den DL- und Effectron-Rackprozessoren der 80er Jahre benutzt. Etwa zur gleichen Zeit nutzte Lexicon die Puls Code Modulation (PCM) in ihren PCM- und Prime Time-Delayeinheiten.

Beide Technologien wurden in der „Neuzeit“ von Strymon genauestens untersucht, um die Charakteristiken simulieren zu können. Diese sind im gar nicht so simplen (32-bit und mit einem SHARC DSP-ausgerüsteten) Strymon DIG Dual Digital Delay verbaut. Neben diesen Old-School-Sounds gibt es für alle Verfechter von modernen Delay-Sounds auch einen Sound in 24-bit und 96kHz.

Strymon DIG Test: Produktvideo von Strymon mit einigen Soundbeispielen

Strymon DIG Test: Funktionen

Die Dual Delays des Strymon DIG können so eingestellt werden, dass sie in Serie (eins nach dem anderen), parallel (wobei die Delays nicht interagieren) oder im Ping Pong-Modus funktionieren. Standardmäßig sind die beiden synchronisiert – Delay 1 ist der Master, und Delay 2 folgt. Das erste Delay kann Verzögerungen von 20ms bis 1,6 Sekunden herbeiführen. Das Verhältnis zwischen den beiden Delays kann man dann mit dem Time 2-Regler einstellen, um einen von fünf rhythmischen Unterteilungen auszuwählen: Triolen, Achtelnote, punktierte Achtel, punktierte Viertel oder „Golden Ratio“.

Strymon DIG Test: Bis zur Unendlichkeit…und zur Modulation

In der Standardeinstellung sind Time- und Repeats-Regler beim Effektpedal so eingestellt, dass sie beide Delays steuern, genauso wie der Tap-Footswitch. Dieser hat übrigens auch eine zweite Funktion, denn er ist ein spontaner „Unendlichkeits“-Button, wenn man ihn drückt und hält (das ist sehr schön gemacht).

Die Modulations-Sektion umfasst eine Auswahl sehr toller „Light“- und „Deep“-Presets, die auch auf beide Delays wirken. Mix- und Mix 2-Regler bieten dem Nutzer wet/dry-Steuerung für jedes Delay.

Strymon DIG Test: …aber es gibt noch mehr!

Drückt man beim Strymon DIG beide Fußschalter gleichzeitig, erreicht man die Zweitbelegungen der fünf Regler. Das sind unter anderem die rhythmischen Unterteilungen für Delay 1, das Auswählen des „Free Mode“ (Delay 2 wird „frei“ und der „Time 2“-Regler wird dann zum Delayzeit-Regler), die Nutzung eines Highpass-/Lowpass-Filter, Änderungen des Signalroutings und das freie Einstellen der Repeats von Delay 2.

Strymon DIG Test: Die Anschlüsse auf der Oberseite.
Strymon DIG Test: Die Anschlüsse auf der Oberseite.

Dass man hier für 350,- € richtig viel für sein Geld bekommt, merkt man bei den weiteren Features des Pedals. Immerhin bietet das Strymon DIG Mono- und TRS-Stereo-Eingang und Stereo-Ausgang und einen Eingang für ein Expression-Pedal (zuweisbar auf jeden Regler und benutzbar mit dem optionalen Strymon Favorite). Das Schöne an der Bypass-Schaltung ist, dass man entweder einen True Bypass nehmen kann oder einen Buffered Bypass mit Trails-Modus, wodurch keine Delays abgeschnitten werden. Ebenso hat das pinke Effektpedal noch einen Kill Dry-Modus.

Strymon DIG Test: In der Praxis

Überraschenderweise kamen mir die klanglichen Unterschiede zwischen dem ADM- und dem 12-Bit-Delay nur minimal vor. Auch im Gegensatz zum 24/96-Setting klang es nicht unglaublich „alt“. Der springende und wichtigste Punkt insgesamt jedoch ist der Klang allgemein – und das Strymon DIG klingt fantastisch! Der harmonisch reiche und wabernde Charakter des Strymon DIG reichert alle Signale an, die man durch ihn schickt. Die lebendige und schnelle Reaktion auf dynamische Änderungen des Signals macht schon beim Zuhören Spaß.

Neben der „standardmäßigen“ Delay-Nutzung kann das Pedal auch eine Menge unterschiedlicher rhythmischer Variationen erzeugen, die schon fast an alte Echomaschinen erinnern. Durch die Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten (die man erst einmal alle entdecken muss) kann man wirklich einzigartige Effekte kreieren.

Strymon DIG Test: Fazit

Was für ein Delaypedal! Mit der Auswahl von drei verschiedenen Delaytypen, der großen Anzahl an Konfigurations- und Einstellungsoptionen (zum Beispiel die verschiedenen Zuweisungsmöglichkeiten des optionalen Expressionpedals) und dem unglaublich tollen Sound bietet das Strymon DIG wirklich eine ganze Menge Sounds für rund 350,- €! Unbedingt ausprobieren, wenn man auf derartige Sounds steht.

 

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