Nile Rodgers Gitarren Workshop: Funk it up! (Foto: GuitarPlayer.com)

Chic, David Bowie, Madonna oder auch Pharrell Williams – Nile Rodgers hat mit so ziemlich jedem zusammengearbeitet. Im Nile Rodgers Workshop lernst du, Gitarre zu spielen wie the man himself!

Rodgers begann seine außergewöhnliche Karriere als erfolgreicher Sessiongitarrist in seiner Heimatstadt New York City. Obwohl er kein ausgewiesener Jazzgitarrist war, erforderte die Studioarbeit eine gesteigerte Kenntnis von Harmonien, was Rodgers gerne akzeptierte. Seine fortgeschrittenen Kenntnisse von Jazzakkord-Umkehrungen gaben Rodgers eine beträchtlichen harmonischen Vorteil gegenüber seinen R&B-Kollegen. Schon bald wurde er zu einem der gefragtesten Rhythmusgitarristen und Produzenten der Popmusik.

Man kann Rodgers ebenfalls zu der Handvoll Gitarristen zählen, die lediglich auf einen cleanen Ton zurückgreifen – keine Pedale (mit Ausnahme eines gelegentlichen Delays), Booster, oder Overdrives – alle Soundvarianten strömten aus der Gitarre selbst, und selbstverständlich aus den Händen des Funk-Meisters. Lasst uns einige der mächtigsten Grooves dieser Erde erkunden, die wir dem Mann und dem Instrument, die es erschaffen haben, zu verdanken haben.

Nile Rodgers Gitarren Workshop – “THE HITMAKER”

Viele von Rodgers Nr.1-Hits wurden mit einer abgewetzten, einzigartigen weißen 1980er Fender Stratocaster eigespielt, die mit einem 1959er Maple Neck nachgerüstet wurde. Die passenderweise „The Hitmaker“ genannte Gitarre erstand Rodgers in einem kleinen Laden in Miami, Florida, nachdem sein Partner und Chic-Bassist Bernhard Edwards ihn drängte, seine Gibson Barney Kessel zu einer Zeit, in der Rodgers das Genre wechselte, in Zahlung zu geben.

Die Gitarre, von der Rodgers behauptet, dass sie wie keine andere Strat klingt (obwohl der Fender Custom Shop 2014 eine limitierte Auflage der Nile Rodgers Hitmaker Stratocaster anbot) war ausschlaggebend für den beinahe Blitzerfolg seines nun unverkennbaren Funk-Stils, den er von Edwards erlernte. Dieser nannte das „Chunking“. Innerhalb von nur einigen Tagen hatte er die Technik perfekt drauf.

Laut Rodgers zeigte ihm Edwards, der ursprünglich Gitarrist war, wie er einen kontinuierlichen Fluss von mit Wechselschlag gespielten Sechzehnteln mit der rechten Hand spielte, während seine linke Single Notes oder Akkorde betonte. Dies wird dadurch erreicht, indem man mit der linken Hand Töne oder Akkorde greift, oder teilweise den Druck löst, um „Chucks“ der gedämpften Saiten zu erhalten.

Nile Rodgers Gitarren Workshop – “LE FREAK”

Die einzige Dreifach Platin-Single von Atlantic Records, „Le Freak“, war der Song, der Chic bekannt machte. Es ist auch eines der vielen klassischen Beispiele für zerstückeltes „Chunking“ und ein tolles Beispiel dafür, wie man eine ansteckende Funkfigur aus eigentlich nur einem Akkord zu kreieren. Bsp. 1 beschreibt Rodgers zweitaktiges Intro und die Versrhythmus-Figur.

Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 1
Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 1

Stelle einen cleanen Strat-Sound ein, gehe in die fünfte Lage und gewöhne dich an das Tempo, indem du vier Sechzehntel pro Schlag auf den gedämpften Saiten strummst. Dies produziert abgeschlagene Achtel mit aufgeschlagenen Sechzehnteln dazwischen. Das ist eine Strategie, die wir auch weiterhin in dieser Lektion verwenden werden (aber nicht notieren werden). Die eingeklammerten Anschlag-Notationen in Bsp. 1 sind stille. „durchgezogene“ Schläge, die es einem erlauben, den Sechzehntel-Groove durch die Achtel und Pausen beizubehalten.

Wir starten mit einem Achtelauftakt, gefolgt von Schlag Eins in Takt 2 mit einer Achtel und zwei Sechzehnteln, die alle eine erste Umkehrung von Am auf den hohen drei Saiten verwenden. (Beachte die Stakkato-Phrasierung bei diesen Achteln.)

Der zweite Schlag beginnt mit einer Achtelpause, die still „gespielt“ wird. Er endet mit einem abgeschlagenen Double Stop (C-über-G) und einem Single Note b7-zu-Grundton Hammer On. Diese Hendrix-artige Bewegung dient als Pickup zur b3, Grundton und b7, die das Single Note-Lick während der Schläge drei und vier ausmacht. Rodgers verschiebt den Am-Akkord und deutet ein D/A in der ersten Hälfte des zweiten Takts an. Er vervollständigt den Takt dann, indem er das exakt gleiche rhythmische Motiv benutzt, um wieder Am aufzunehmen. Beachte die gedämpften „Chunks“ auf Eins-Und und Drei-Und.

Zugegeben, das ganze Hin- und Herspringen zwischen Single Notes und verschiedenen Saitengruppen erfordert wesentlich mehr Genauigkeit, als einfach nur ganze Akkorde zu spielen. Soll es etwas leichteres sein?

Nile Rodgers Gitarren Workshop – “GOOD TIMES”

Dieser Nr.1-Hit für Chic aus 1979 ist eine wesentlich gradlinigere Angelegenheit, die Rodgers‘ Beherrschung  anspruchsvoller Akkord-Voicings offenbart.

Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 2
Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 2

Seine viertaktige „Good Times“ Rhythmusfigur, die in Bsp. 2a beschrieben ist, wendet vier volle Akkordshapes und identische Rhythmen in den Takten 1 und 3, bzw. 2 und 4 an.

Also: Takt 1 beinhaltet drei Stakkato Em7-Hits auf 1, 2 und 3, mit einem Paar gedämpfter Sechzehntel „Chunks“, die auf Und eines jeden Schlags beginnen. Das wird gefolgt von einem Downbeat „Chunk“ und einem vierten Em7 Hit, synkopiert auf der zweiten Sechzehntel von Schlag Vier. Takt 2 bewegt sich für vier Schläge Stakkato Achtel ohne irgendwelche „Chunks“ zu Bm7/E (oder E7sus4) bis zu den letzten zwei Sechzehnteln.

Der A9sus4/E in Takt 3 verwendet die selben Schläge wie Takt 1, während der jazzige A13 in Takt 4 das Motiv mit Takt 2 teilt. Die Akkorde in Bsp. 2b bieten Möglichkeiten, die Em7 und Asus9/E Voicings mit zusätzlichen Bewegungen aufzupeppen. Versuche, Hammer Ons oder Pull Offs von den eingeklammerten Tönen aus zu spielen. Man kann anstelle des A9sus4/E auch ein A7sus4 probieren.

Ein Fakt nebenbei: „Good Times“ half, die Hip Hop-Bewegung 1980 voranzutreiben, als von diesem Song gesampelte Bass- und String-Parts der ersten Mehrfachplatin-Single „Rapper’s Delight“ der Sugarhill Gang benutzt wurden.

Nile Rodgers Gitarren Workshop – “CHIC CHEER”

Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 3
Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 3

Der treffend „Chic Cheer“ genannte Song liefert ein perfektes Beispiel für eine von Rodgers‘ berüchtigten Single-Note-Figuren. Bsp. 3 stellt das zweitaktige Hauptriff dar – ein synkopiertes und arpeggiertes Em7 Lick (Grundton, b3, b7, b3, und b7), gefolgt von einer halben Pause in Takt 1. Der selbe Lick kommt in Takt 2 vor, mit der letzten Note einen halben Ton tiefer auf C#, der Sexte, um A7 anzudeuten (die Subdominante).

Die Beispiele 4a bis 4d zeigen, wie Rodgers in der Figur die Schläge 3 und 4 in Takt 2 mit unterschiedlichen A9-, A7- und A6-Voicings auf der Drei-Und, und der zweiten Sechzehntel von Takt 4 ändert. Eine weitere Variation kommt in Bsp. 5 vor, bei der Rodgers dem Ende beider Takte des original Licks einen weiteren Sechzehntel-Schlag hinzufügt, und dann jeden Platz um die selben synkopierten Hits auf den Schlägen Drei und Vier mit gedämpften „Chunks“ füllt.

Nile Rodgers Gitarren Workshop – “LET’S DANCE”

Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 4
Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 4

Dieser Hit von David Bowie von 1983 war eine Win-Win Situation für alle Beteiligten: Nile Rodgers produzierte und spielte auf Bowie’s Comeback Album selben Namens. Das machte übrigens die Massen auch mit einem jungen Künstler namens Stevie Ray Vaughan bekannt, der den Track mit feurigen Albert King-Style-Licks würzte. Die standen natürlich im Kontrast zu Rodgers‘ funkigen Rhythmen und Bowies nüchternem Gesang.

Die Beispiele 6a und 6b arbeiten die clevere Basslinie des Songs in zwei Teilen aus, sodass du die ganze achttaktige Figur folgendermaßen zusammensetzen musst: Spiele beide Beispiele wie notiert und danach die ersten beiden Takte aus Bsp. 6a, ohne Wiederholung.

Rodgers‘ Rhythmuspart ist eigentlich viel einfacher als er sich anhört, und besteht aus lediglich drei Akzenten pro Takt – Stakkato Achtel auf die Schläge 1 und 3, geteilt durch einen Hit auf die vierte Sechzehntel von Schlag Eins. Das wird gefolgt von einem ganzen Takt Pause, wie in Bsp. 7a beschrieben.

Übertrage jedes der in Bsp. 7b gezeigten Voicings eins nach dem anderen auf die vier Runden dieses Rhythmus, um die komplette achttaktige Versprogression zu erhalten. Aber warum hört es sich auf der Originalaufnahme so an, als ob Rodgers jeden Akkord öfters als drei Mal pro Takt anschlägt? Der Kniff liegt in der Verwendung eines Delays, das so eingestellt ist, dass es eine einzelne Achtel Wiederholung spielt. Bsp. 8 zeigt, wie jeder Anschlag aus Bsp. 7a einen halben Schlag später wiederholt wird, um so die Illusion von sechs Anschlägen pro Takt, und somit einem komplexeren Rhythmus zu schaffen. Cool, oder?

Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 5
Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 5

Obwohl er hauptsächlich für seine Rhythmusarbeit bekannt ist, kann Rodgers beim Abliefern toller Solos oder geschmackvoller Fills durchaus mit den Besten mithalten. Durchsucht man das Internet, kann man seine zuletzt gespielte Liveversion von „Let’s Dance“ hören, bei der er zusätzlich zu seinem Rhythmuspart auch die Rolle SRV’s einnimmt. Dort liefert er auf B-Moll basierende Blueslicks ab.

Die sind ähnlich derer aus den Beispielen 9a bis 9d in jedem zweiten Takt der Vers Progression (nämlich den Pausentakten). Hier werden sie in folgender Reihenfolge präsentiert: (Bsp. 9a für B7sus4; Bsp. 9b für Bm6; Bsp. 9c für Gb6 (Ebm7); und Bsp. 9d für Bm7), aber die Licks sind alle austauschbar und können ganz nach Belieben angeordnet werden.

Nile Rodgers Gitarren Workshop – FEELING LUCKY, PUNK?

Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 6
Nile Rodgers Gitarren Workshop: Abb. 6

Unser letzter Ausschnitt basiert auf einer von Rodgers letzteren Kollaborationen und erfordert etwas Bastelarbeit. Zunächst sollte man sich mit den Hm-, D-, F#m- und E-Akkorden aus Bsp. 10a vertraut machen. Werden diese in dieser Reihe für jeweils einen Takt gespielt, bilden diese Akkorde eine dieser coolen harmonischen Progressionen, die eine immerwährende Bewegung andeuten, ohne jemals aufgelöst zu werden.

Der nächste Schritt besteht darin, diese Akkorde an der Rhythmusfigur aus Bsp. 10b anzuwenden. Wie auch „Good Times“ beinhaltet auch diese viertaktige Rhythmusfigur dasselbe Motiv in den Takten 1 und 3 (wird hier etwa eine Formel angewandt?), jedoch sind hier die Takte 2 und 4 rhythmisch nicht identisch.

Um schließlich Rodgers‘ tatsächlicher Performance möglichst nahe zu kommen, kann man Akkordtöne mit den in Bsp. 10c gezeigten eingeklammerten Tönen austauschen, um den ansonsten statischen Shapes Bewegung hinzuzufügen. Spiele es richtig und „Get Lucky“!

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