Eric Clapton Slowhand Workshop: 10 Licks vom Meister! (Bild: Majvdl/https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/57/Eric_Clapton_in_concert.jpg)

Es ist schwierig, wie eine Gitarrenlegende zu klingen – aber in unserem Eric Clapton Slowhand Workshop findest du 10 Licks, die einen Anfang bereiten.

Es gibt ein circa 1968 entstandenes Interview mit Eric Clapton, „Slowhand“, in dem er eine Menge über seinen Gitarrenstil offenbart. Er sitzt vor einer Verstärkerwand, hat seine legendäre 1964 „Fool“ Gibson SG in der Hand (die mit der Psychedelic-Lackierung), und sagt etwas über sich, das auf jeden Gitarristen zutrifft, ob er es nun zugeben mag oder nicht.

„Ja, es gibt Phrasen, die ich immer wieder spiele – Standardphrasen, von denen aus ich arbeite“, sagt er. Er erklärt seine Sichtweise, indem er langsam einige Pentatonik-Linien spielt, um dann zu kommentieren: „Alle diese Läufe sind aus alten Phrasen zusammengesetzt, mit denen ich angefangen habe. Mittlerweile haben sie sich alle mit anderen Sachen vermischt, die ich gelernt habe.“

Wie so viele andere von uns hat auch Eric Clapton als Imitator begonnen. Er verbrachte Jahre mit Üben und Lernen, um sich den Sound und den Spirit der Bluesmen einzuverleiben, die er anhimmelte. Indem er die „alten Phrasen“ nahm und sie leicht variierte und auf neue Art miteinander kombinierte, wurde er schließlich der wohl großartigste Chicago-Blues-Spieler, der nicht aus Chicago stammte.

Anschließend begann „Slowhand“ zu definieren, was wir heute als Rock-Gitarre kennen. Nur tat er das nicht, indem er seine Art zu spielen veränderte. Stattdessen suchte er sich unterschiedliche musikalische Hintergründe für seine elektrischen Blues-Experimente. In Wahrheit hat sich Claptons Ansatz zur Gitarre seit dem Beginn seiner Karriere kaum verändert. Viele seiner Lieblingslicks aus den Sechzigern sind auch heute noch seine Lieblingslicks.

Im Eric Clapton Slowhand Workshop präsentieren wir 1o Beispiele dieser Licks, damit ihr sie lernen und in euren eigenen Stil einfließen lassen könnt.

Eric Clapton Slowhand Workshop – Abbildung 1

Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb 1.: Das Vibrato ist hier in mittlerer Geschwindigkeit - zwischen B.B. King und David Gilmour.
Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb 1.: Das Vibrato ist hier in mittlerer Geschwindigkeit – zwischen B.B. King und David Gilmour.

Als Clapton 1963 bei den Yardbirds einstieg, hatte er es mit dem Versuch, den Blues zu meistern, schon weit gebracht. ABBILDUNG 1, ähnlich einem Lick aus ihrem Song „Got to hurry“, folgt einer klassischen Blues-Formel und orientiert sich an einem sich wiederholenden Basiston (A), der sich mit höheren Tönen einer gleichmäßig aufsteigenden Sequenz (von C zu E) abwechselt.

Eric Clapton Slowhand Workshop – Abbildung 2

Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 2: Im Gegensatz zu ABBILDUNG 1 sollte das Vibrato bei diesem Beispiel ultra schnell sein.
Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 2: Im Gegensatz zu ABBILDUNG 1 sollte das Vibrato bei diesem Beispiel ultra schnell sein.

Dieses Basiston-Konzept wird in ABBILDUNG 2 noch einige Schritte weiter verfolgt. Es ist von den Eröffnungssalven aus Claptons Solo in John Mayalls „Have you heard“ aus dem epochalen „Blues Breakers with Eric Clapton“ (1966) inspiriert. Obwohl es hier mehr als einen Ton gibt, liegt der eindeutige Fokus auf dem C auf der 2. Saite, das wieder und wieder in einer Art Start-und-Stop Stil gespielt wird, der von Freddie King ausgeliehen ist.

Eric Clapton Slowhand Workshop – Abbildung 3

Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 3: Beachte, wie dem Slide zum G im ersten Takt ein Bend zum D vorausgeht - die gleiche grundlegende Idee, aber anders ausgeführt.
Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 3: Beachte, wie dem Slide zum G im ersten Takt ein Bend zum D vorausgeht – die gleiche grundlegende Idee, aber anders ausgeführt.

Da wir gerade von den Kings sprechen; der von B.B. King patentierte Slide von einem Ton zum selben Ton auf einer benachbarten Saite (in diesem Fall vom 3.Bund/1.Saite G zum 8.Bund/2.Saite G) ist ein Highlight in ABBILDUNG 3, zusammen mit einigen Hammer-On-Double Stops, und der Art von rutschigen Lagenwechseln, die zu Slowhands Spezialitäten wurden.

Eric Clapton Slowhand Workshop – Abbildung 4

Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 4: Für die abschließenden Harmonics platzierst du deinen rechten Daumen nahe am Rand des Plektrums und bringst es mit jeder Wiederholung näher an die Bridge.
Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 4: Für die abschließenden Harmonics platzierst du deinen rechten Daumen nahe am Rand des Plektrums und bringst es mit jeder Wiederholung näher an die Bridge.

Weitere typische Clapton-Merkmale sind in ABBILDUNG 4 zu finden, welches zu großen Teilen aus „Sweet Wine“ vom „Fresh Cream“-Album stammt. Das Beispiel beginnt mit einer Handvoll in die Höhe schießender Bends, wühlt sich durch einige abgeschnittene Phrasen und wiederholt dann drei Mal eine Dreiton-Linie. Jede Wiederholung dieser Linie sollte anders als die vorherige klingen, da sich die Position des Plektrums jedes Mal ändert. So werden immer andere Obertöne kreiert.

Eric Clapton Slowhand Workshop – Abbildung 5

Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 5: Die Geschwindigkeit, mit der dieses Lick vorüberfliegt, hilft zu verheimlichen, dass es sich um zwei identische Licks handelt, die mit einer Vierton-Bridge verbunden werden.
Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 5: Die Geschwindigkeit, mit der dieses Lick vorüberfliegt, hilft zu verheimlichen, dass es sich um zwei identische Licks handelt, die mit einer Vierton-Bridge verbunden werden.

Große Septimen werden normalerweise nicht als besonders bluesy angesehen, was Eric Clapton jedoch nie daran hinderte, sie einzusetzen, wie ABBILDUNG 5 demonstriert. Die beiden F#-Durchgangstöne über ein G-Bluesschema sind für den Erfolg des Licks ausschlaggebend – und klingen alles andere als merkwürdig.

Eric Clapton Slowhand Workshop – Abbildung 6

Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 6: Hammered-On Double-Stops sind hier ein Hauptbestandteil und ein Indiz für Claptons Vorliebe für ursprünglichen Rock 'n' Roll.
Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 6: Hammered-On Double-Stops sind hier ein Hauptbestandteil und ein Indiz für Claptons Vorliebe für ursprünglichen Rock ’n‘ Roll.

Genauso ist die Reihe unmissverständlicher großer Terzen (C# in A) in den letzten beiden Takten der Schlüssel zu ABBILDUNG 6. Da die Terzen als Teil eines verblüffenden Swing Style-Pattern gespielt werden (punktierte Achtel wechseln sich mit Sechzehnteln ab), klingen sie nicht langweilig. Die Runde Double-Stops vorher verleiht ihnen weitere Glaubwürdigkeit.

Eric Clapton Slowhand Workshop – Abbildung 7

Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 7: Die absteigende, stotternde Linie in Takt zwei ist eine Hommage an Claptons Helden Buddy Guy.
Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 7: Die absteigende, stotternde Linie in Takt zwei ist eine Hommage an Claptons Helden Buddy Guy.

ABBILDUNG 7, inspiriert von den unsterblichen Solos in „Crossroads“ von Cream’s Album „Wheels of fire“, beginnt mit einem Fest klassischer Pentatonik-Pull-Offs, und schaltet dann im zweiten Takt mit einer schnellen Linie, die zum abschließenden A führt, einen Gang höher.

Eric Clapton Slowhand Workshop – Abbildung 8

Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 8: Ein Eric Clapton Standard: zwei Achtel Triolen, von der jede einen Pre-Bend mit folgendem Pull Off beinhaltet.
Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 8: Ein Eric Clapton Standard: zwei Achtel Triolen, von der jede einen Pre-Bend mit folgendem Pull Off beinhaltet.

Selbstverständlich ist Claptons Spiel nicht immer so offenkundig aggressiv. Sieh dir ABBILDUNG 8 an, welche mehr seine relaxte Seite zeigt. Was diese Figur zu Teilen so einprägsam macht (und an Cream-Songs wie „I feel free“ und „White room“ erinnert), ist die Verwendung von Sexten (C# in der Tonart E) und Nonen (F# in E). Obwohl diese fernab der unüblichen Tonauswahl liegen, sind sie ebenso nicht die Töne, die man automatisch in dieser Akkordfolge besonders hervorheben würde.

Eric Clapton Slowhand Workshop – Abbildung 9

Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 9: Achte auf den Lagenwechsel in Takt 2. Zur Vorbereitung solltest du beim letzten A von deinem Ringfinger zu deinem Zeigefinger wechseln.
Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 9: Achte auf den Lagenwechsel in Takt 2. Zur Vorbereitung solltest du beim letzten A von deinem Ringfinger zu deinem Zeigefinger wechseln.

ABBILDUNG 9, ähnlich einem Teil des Solos in Blind Faith’s „Do what you like“, beleuchtet Claptons kunstvollen Sinn für Melodie mit einer Moll-Pentatonik-Linie, die einen bemerkenswert offenen Sound hat. Höre dir an, wie das Vierton-Pattern in Takt 3 das Vierton-Pattern vom Beginn des ersten Taktes wiedergibt.

Eric Clapton Slowhand Workshop – Abbildung 10

Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 10: Die ersten sechs Töne hier sind das Ergebnis eines einzelnen Anschlags. Drehe das Gain deines Amps für das erforderliche Sustain weit auf.
Eric Clapton Slowhand Workshop, Abb. 10: Die ersten sechs Töne hier sind das Ergebnis eines einzelnen Anschlags. Drehe das Gain deines Amps für das erforderliche Sustain weit auf.

Über all die Jahre hat Clapton gezeigt, dass er bequem in einem weiten Feld unterschiedlicher musikalischer Zusammenhänge arbeiten kann, ohne große Kompromisse bei den grundlegenden Elementen seines Stils machen zu müssen.

ABBILDUNG 10 klingt sehr nach Cream’s „Badge“ und ist hierfür ein gutes Beispiel. Obwohl die Akkorde klimpernder Pop sind, ist die Lead-Linie reinrassiger Blues: ein hoher, in die Länge gezogener Bend, der sowohl die Quarte, als auch die grosse Terz berührt, ein paar flüssige Hammer Ons/Pull Offs, und ein schneller abschließender Sturz vom F# zum A (ein Sext-Intervall). Dies alles zeigt, das Clapton selbst wenn er richtig Mainstream spielte, nie seine Verbindung zu seinen Chicagoer Idolen verlor.

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